Live-Tagebuch: Denali Tour 2008

Das Team am Start (von links Daniel, Kai, Peter, Jürgen)
Das Team am Start (von links Daniel, Kai, Peter, Jürgen)
Am Windy Corner
Am Windy Corner
Abendstimmung im Basislager (im Hintergrund Mt. Foraker)
Abendstimmung im Basislager (im Hintergrund Mt. Foraker)
Aufstieg am Fixseil
Aufstieg am Fixseil
Lagerleben im Basislager
Lagerleben im Basislager
Am Gifel (Jürgen)
Am Gifel (Jürgen)
Am Gifel (Roland und Daniel)
Am Gifel (Roland und Daniel)
Abstieg
Abstieg
Internationales Meeting nach der Tour
Internationales Meeting nach der Tour
Ein letzter Blick vor der Abreise
Ein letzter Blick vor der Abreise

13.05. - 17.05.2008:

Am Dienstag, den 13.05., sind die Vier von Franfurt nach Anchorage abgeflogen. Auf der Fahrt zum Flughafen ist etwas sehr schönes passiert: Kurz hinter Hallenberg, genauer gesagt in Bromskirchen, dachten wir erst, wir sehen nicht recht: es war immerhin erst kurz nach 6.00 Uhr, und am Straßenrand steht Elmar Müller.

Das ist immerhin der Mann, von dem die Idee mit den Seven Summits stammt, die Jürgen und Peter in die Tat umsetzen. Er wollte und hat alles Gute gewünscht und hatte für die beiden noch einige unentbehrliche Geschenke mitgebracht: Glückskekse, Bonbons, kleine Werbekompasse aus Glas, Sonnenschirmhütchen für Eis und ähnliche äußerst nützliche Dinge. Klasse!

Nach gutem Flug sind die Jungs dann etwas verspätet, aber heil in Anchorage angekommen, allerdings ziemlich kaputt. Die Zeitverschiebung beträgt ca. 10 Stunden (da sie gen Westen geflogen sind, sind sie also ca. 10 Stunden in der Zeit hinter uns zurück).

Im Flieger haben sie schon einige andere Gruppen getroffen, die den Denali besteigen wollen, für die meisten schon der 2. Versuch. Sie haben dann nur noch einen Teil der noch benötigten Nahrung eingekauft (Kartoffelpüree, Salz, Zucker, Muesli etc.) und sind dann gegen 19.00 Uhr ins Bett gegangen.

Wie Jürgen so schön schreibt, ist in Anchorage alles "riesig": die Zimmer, die Autos - und vor allem die Portionen im Restaurant. Der Standard in und an den Häusern erinnert an die 60er Jahre; die Menschen sind sehr freundlich. Naja, hört sich doch gut an!

Am nächsten Tag (14.05.) wurde der Rest eingekauft, ansonsten war Eingewöhnung angesagt.

Am 15.05. ging es dann weiter nach Talkeetna. Dort haben sie an einem Vortrag der Ranger teilgenommen, danach noch ihre restlichen Utensilien abgeholt (Toilette etc.). Da schlechtes Wetter war, hieß es zunächst einmal Warten, dass sie zum Berg geflgen werden können (die Ranger fliegen die Bergsteiger mit kleinen Maschinen auf den Gletscher in ca 2.000 m). Das hat dann am 16.05. geklappt. Diese Infos habe ich per Mail bekommen, den folgenden Rest hat mir Jürgen über Satelitentelefon mitgeteilt, heute gegen 16.30 Uhr Winterberger Zeit (dort also ca. 6.30 Uhr Ortszeit). Am Abend sind sie noch ca. 2 Stunden gegangen, um sich einzugewöhnen. Dann ging es allerdings schlafen.

Tagsüber ist das Wetter dort jetzt sehr schön, die Nächte sind allerdings bitterkalt.

Bereits am 17.05. sind die Vier dann bei schönen Wetter aufgestiegen ins Lager 1 auf ca. 2.300 m. Heute (18.05.) wollen sie noch ca. 600 m aufsteigen und dort 1 - 2 Nächte bleiben. Dann soll es weiter gehen zum Lager 2 auf ca. 3.300 m.

18.05. - 20.05.

Am 19.05. hat Jürgen gegen 17.00 Uhr Winterberger Ortszeit (also ca 7.00 Uhr "Denali-Zeit") angerufen (nicht von der Telefonzelle, sondern über Satelitentelefon): sie waren am 18.05. (Sonntag) im Zwischenlager 2 auf 3.000 m. Kurz nach seinem Anruf wollten die Vier aufsteigen auf das sog. 11-tausender-Lager. Das bedeutet, dass dieses Lager auf 11.000 Fuß liegt, also ca. 3.666 m Höhe. Sie wollten die Pulkas (Gepäckschlitten) dorthin bringen, dann allerdings wieder zum Zwischenlager 2 (3.000 m) absteigen und dort noch eine Nacht bleiben. Die Pulkas sind sehr schwer und behindern doch gewaltig.

Am 20.05. sollte es dann wieder ins 11-tausender-Lager gehen. Dort wollen die Jungs zur Akklimatisation für mindestens 2-3 Tage/Nächte bleiben.

Als Jürgen anrief, war das Wetter immer noch sehr schön: tagsüber herrlich sonnig und "warm", nachts allerdings schon ziemlich lausig kalt.

21.05. - 22.05.

Wie geplant sind die Jungs am 20.05. (Dienstag) auf das 11-tausender-Lager aufgestiegen. Am 21.05. sind dann Peter, Kai und Daniel auf ca. 4.300 m aufgestiegen und haben dort ein Depot mit dem Gepäck eingerichtet. Jürgen konnte nicht mitgehen, da er sich am Fuß eine Blase gelaufen hat und die nach Möglichkeit schnell auskurieren muss; denn bald mehr als alles andere braucht er gesunde Füße! Nach Einrichtung des Depots sind die Drei wieder zurück zu Jürgen ins Lager auf 11.000 Fuß.
Heute ist ein Ruhetag geplant; morgen gehen dann alle zusammen hoch bis zum Depot auf 4.300 m.

22.05. - 23.05.

 

Der gestrige Ruhetag ist ausgefallen: die Jungs bekommen immer gegen 20.00 Uhr "Denali-Zeit" über Funk den aktuellen Wetterbericht. Der besagte für heute nichts Gutes. Nachdem sie das vorgestern abend gehört haben, haben sie sich entschlossen, den Ruhetag zu verschieben und sie sind bereits gestern aufgestiegen in das Lager 14.000 (Fuß), also auf ca. 4.600 (auch Medical Camp genannt), wo ja bereits das Depot eingerichtet worden war. Jürgen ist mit Steigeisen gegangen, die anderen Drei mit Schneeschuhen. Er kam wohl prima zurecht, die anderen haben es aber auch ganz gut geschafft. Selbst die berüchtigte "Windy Corner" war gut zu gehen.

Die Entscheidung, bereits gestern zu gehen, war wohl richtig, denn heute ist das Wetter wirklich schlecht: es stürmt und schneit. Der Ruhetag wird also heute nachgeholt. Einige Gruppen sind heute sogar unplanmäßig wieder abgestiegen, weil das Wetter in der Höhe es nicht anders zuließ. In einer Gruppe dabei war auch "der Plock". Weder Jürgen noch ich wußten noch genau, wie er heißt, aber es war vor einiger Zeit ein Bericht im Bayerschen Sender über diesen Mann: er hat bereits schon einmal erfolglos versucht, den Denali zu besteigen. Dies ist also sein zweiter Versuch. Ich hoffe, ihr seht es mir nach, dass ich den Namen nicht wirklich behalten habe. Vielleicht weiß es ja jemand besser? Würde mich über eine Info freuen.

Jetzt warten die Jungs auf besseres Wetter, um dann weiter aufzusteigen auf 17.000 Fuß (ca. 5.650 m). Jürgens Blase ist übrigens ganz gut ausgeheilt.

24.05.-25.05.

Jürgen ruft momentan mit schöner Regelmäßigkeit jeden 2. Tag an, das letzte Mal also gestern, Sonntag, den 25.05. gegen 20.20 Uhr Winterberger Zeit. Wie immer in den letzten Tagen mußte Jürgen hin und wieder die Hand, mit der er das Telefon hält, wechseln, da die aktuelle zu kalt wurde. Auch wurde das Telefonat wieder (wie bereits die anderen zuvor) hin und wieder unterbrochen, da die Verbindung zum Sateliten nur kurze Zeit steht, dann ist er für einige Zeit außer Reichweite. Eine Unterbrechung war allerdings "selbstgemacht": Jürgen mußte die Batterien wechseln, da "irgend einer" die Nacht davor das Telefon nicht richtig ausgemacht hatte. Und sowas passiert diesen Experten!!!
Die Jungs sind jetzt im 14.000 Fuß-Lager (ca. 4.660 m). Bis dahin war das Wetter gut. Der Wetterbericht für die folgenden 3 Tage sieht allerdings böse aus: Schnee, Schnee, Schnee und Wind bis zu 100 Meilen/Stunde.

Einige Gruppen, die zum Teil auch bereits höher waren, sind schon wieder heruntergekommen, einige sind bereits ohne Gipfelbesteigung wieder auf dem Abstieg, die ihre eingeplante Zeit zuzüglich mindestens
3 Tagen schlechtes Wetter nicht mehr ausreicht für einen weiteren Versuch.

Bereits jetzt ist es nachts empfindlich kalt und zwar ca. Minus 18 Grad. Der Atem gefriert sogar im Zelt und setzt sich an Wänden und Decke ab. Hin und wieder schneit es dann auch im Zelt! Auch ist es mittlerweile wegen der Temperaturen und dem Wind gar nicht mehr so leicht, den Brenner anzumachen, mit dem Die Jungs Schnee und Eis schmelzen und zu Trinkwasser abkochen müssen. Sie wechseln sich aber immer ab. Bisher scheint die "Chemie" zu stimmen.

"Als letztes ein persönlicher Eindruck: zumindest Jürgens Stimmung scheint momentan etwas düster zu sein, nicht mehr so euphorisch wie am Anfang. Das liegt sicher daran, dass die Aussicht auf drei Tage nahezu nur im Zelt nicht gerade prickelnd ist."

26.05.

Jürgen hat gerade angerufen: Sie sind noch auf etwa 4660m. Wegen schlechten Wetters konnten sie nicht weiter. Allerdings stehen sie mit Arne Müller, Meterologe und Sohn von Elmar, in Verbindung. Nach dessen Auskunft könnte es am Freitag und Samstag möglich sein, aufzusteigen.
In dem Lager geht es wohl hoch her: täglich kommen 5-6 Gruppen ohne Gipfelerfolg runter, ebenso viele kommen im Aufstieg an. Einer aus der "Holzer"-Gruppe, die ebenfalls aufgeben mußte (und zwar zum 2.Mal) hat gesagt: "Das ist kein Berg, das ist die Hölle". Hört man gern als Ehefrau.

Hoch interessante Geschichte: im Lager befindet sich derzeit (im Aufstieg) ein Österreicher. Das besondere daran ist, dass dieser Österreicher blind ist und von vier Freunden auf den Berg gebracht werden soll. Er heißt Andy Holzer, Internetadresse info@andyholzer.com.
Er macht diese Touren auf ähnlicher Basis wie Jürgen und Peter, nämlich über Sponsoren. Vielleicht seht ihr euch mal seine Seite an?
www.andyholzer.com

31.05.2008 Der Gipfel

Am Samstag morgen gegen 5.00 Uhr Winterberger Zeit hat Jürgen Kalle Groß angerufen (ich war wie viele andere nicht zu erreichen): Jürgen, Daniel (unser Schweizer) und Kai haben es geschafft, Peter wohl nicht. Mit Ihm ist aber wohl auch alles in Ordnung. Glückwunsch an Jürgen, Daniel und Kai, nicht trauridg sein an Peter, es war von allen Vieren eine tolle Leistung!

Auf dem Rückweg nehmen sie jetzt wohl noch andere mit, die es nicht geschafft haben. Mehr weiß ich leider nicht. Melde mich, sobald sich das geändert hat.

02.06.07 - Abstieg

Jürgen hat heute morgen, 02.06., 8.45 Uhr Winterberger Zeit (also ca. 22-.45 Uhr Denali-Zeit) angerufen. Die Jungs befinden sich jetzt im Basislager, Temperatur ca. minus 18 Grad.
Sie sind reativ schnell abgestiegen, weil sie gehofft hatten, dass sie noch heute vom Berg geflogen werden könnten. Das hat leider nicht geklappt; sie müssen also mindestens bis morgen warten. Alle vier wollen so schnell wie möglich wieder in die Wärme, denn sie haben wohl teilweise Erfrierungen in Gesicht, an Finger- und Zehenspitzen erlitten. Jürgen geht alllerdings davon aus, dass diese Erfrierungen wieder vollständig ausheilen. Auf jeden Fall sind alle Vier wohl ziemlich erschöpft. Dieser Berg war wohl der Schlimmste, den sie bisher bestiegen haben. Jürgen hat sich so ausgedrückt:"Was hier gewesen ist, kann ich am Telefon gar nicht beschreiben. Das ist kein Berg, das ist die Hölle". Gott sei Dank sind aber alle so weit in Ordnung; sie haben nur den sehnlichen Wunsch, aus dieser Kälte herauszukommen.

Bereits am Samstag hat mich eine Mail von Jessica, Kais Freundin, erreicht: auch Kai hat es geschafft auf den Gipfel zu kommen. Auch ihm herzlichen Glückwunsch!

Aller Voraussicht nach werden unsere Jungs früher als geplant (vorgesehen war der 15.06.) zurückkommen, da sie die für die Besteigung vorgesehene Zeit nicht vollständig nutzen mußten (das Permit war bezahlt bis 08.06.).

Die erste Rückmeldung von Jürgen

Hallo Zusammmen,
hier meine erste Mail nach unserer Besteigung.
Es war eine einmalige Geschichte und wir sind froh heil wieder unten zu sein.Das schreiben faellt sehr schwer,da meine Fingerkuppen ein wenig in Mitleidenschaft gezogen sind (leichte Erfrierungen- auch an der linken Wange, der Nase und dem Mund) aber das war die Sache wert.Wir hatte wahnsinnige Ausblicke aus dem Medical Camp-4300m und dem High Camp- 5300m.

Die Temperaturen am Gipfel um -40Grad C und nachts im Zelt um - 20 Grad waren allerdings nicht gerade angenehm und der stuermische Wind tat der Sache auch nicht gerade gut.Trotz alledem hatte wir eine geile Zeit und jede Menge coole Leute kennen gelernt. Die drei Tage zum Gipfel und zurueck ins Medical Camp waren allerdings die haertesten im meinem Leben und ich hatte mehr als einmal richtig viel Angst das ich es nicht schaffen koennte. Aber das ist jetzt vorbei und wir sitzen hier in einer super Kneipe- West Rip- und feiern unseren Gipfelsieg.So und jetzt mach ich Schluss, da meine Finger nicht mehr mitspielen.Alles weitere wenn ich wieder zu Hause bin.

Viele Gruesse aus Talkeetna -Alaska- auch von Peter, Daniel,Kai und natuerlich von mir.

Sponsoren

Unsere Touren werden erst durch unsere Sponsoren möglich.




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