Mont Blanc 2004

Karte des Gebietes
Karte des Gebietes
Einstieg in den Gletscher an der Aiguille du Midi (3842m)
Einstieg in den Gletscher an der Aiguille du Midi (3842m)
Blick auf den Mont - Blanc du Tacul und Mont Maudit
Blick auf den Mont - Blanc du Tacul und Mont Maudit
Helikopter von oben
Helikopter von oben
Wächte am Mont - Blanc du Tacul
Wächte am Mont - Blanc du Tacul
Gletscherspalten begleiten uns auf unserem Weg
Gletscherspalten begleiten uns auf unserem Weg
Startplatz am Mont - Blanc du Tacul
Startplatz am Mont - Blanc du Tacul
Abseilen am Mont-Maudit
Abseilen am Mont-Maudit
Auf dem Gipfel des Mont Blanc (4807m)
Auf dem Gipfel des Mont Blanc (4807m)

Mont Blanc Tagebuch

Peter Kramers Tagebuch der Mont Blanc Tour im September 2004.

Donnerstag 16.09.04

Abfahrt von Winterberg, endlich geht es wieder los! Kein Stau auf der Straße und wir haben gute Laune. Haben uns Abends in der Auberge La Boerne einquartiert, die wichtigsten Klamotten gepackt und waren in der Stadt Wetterberichte studieren und ein wenig zu bummeln. Die Saison hier ist fast gelaufen und viele Lokale haben schon geschlossen.

Es sieht wettermäßig gut aus und wir wollen Morgen sofort los und keine Zeit verlieren.

Freitag 17.09.04

Mit der Bahn Mittags zur Aiguille de Midi und von dort zur Cosmique Hütte. Eine andere Welt, neue Eindrücke bei so einem Massiv. War zwar schon mal bis zur Aiguille aber habe mich noch nie in der Gletscherregion bewegt. Ein tolles Gefühl und obwohl wir auf über 3000 Meter sind geht es uns prima.

Lassen es ruhig angehen und packen nach dem Abendessen die Sachen für unsere erste Akklimatisations-Tour zum Mont-Blanc du Tacul (4248 m).

Samstag 18.09.04

Nachts um 03.00 Uhr sind wir aufgestanden und mit kleinem Gepäck aufgestiegen. Alles lief zügig und gut, keine Probleme mit der Höhe oder der Kondition. Haben unser Tempo gut angepasst und es macht Spass mit Dirk zu gehen. Die Tour hat seine besonderen Reize, durch Eisbrüche und über Gletscherspalten, aber auch der Wettergott meint es gut mit uns und gewährt eine phantastische Fernsicht und Sonne. Haben Gleitschirme am Himmel gesehen und ich bin euphorisch, will unbedingt fliegen.

Nachmittags zurück in der Hütte sehen wir uns den Wetterbericht an und müssen feststellen das Bise (Fön) angekündigt wird. Kurze Diskussion und der Entschluß : „Wenn wir fliegen wollen müssen wir morgen hoch.“
Normalerweise müssten wir noch einen Tag akklimatisieren, noch eine Tour machen. Doch dann wird die Chance gering, starten zu können. Schon jetzt wird das Licht diffus und die Zeit knapp.

Sonntag 19.09.04

Sind um 01.00 Uhr Nachts aufgestanden und losgezogen und waren zügig unterwegs. Das Training hat sich bezahlt gemacht und nach ein paar Minuten merkst du das zusätzliche Gewicht der Gleitschirmausrüstung kaum noch. Nachdem wir am Mont-Blanc du Tacul vorbei sind stehen wir vor der Überquerung des Mont-Maudit (4465 m). Leider staut es sich am Einstieg der Wand und wir verlieren wertvolle Zeit.

Ich werde nervös und verärgert, denn vor uns versucht ein ergeiziger Vater mit einer Seilschaft seinen ungefähr zwölf jährigen Sohn über die Wand zu bringen. „Ergeiz sollte seine Grenzen haben.“, denke ich und wir beschließen an der Seilschaft vorbei zu gehen. Der Junge tut mir leid als ich an Ihm vorbei gehe und er sich am Seil festklammert, die Anweisungen der Seilschaft kaum wahrnehmend.

Es ist noch dunkel und als ich mich umschaue sieht man die Stirnlampen der nachfolgenden Seilschaften als kleine Punkte im Tal. Doch auf einmal ist man am Grad angelangt. Es fängt an hell zu werden und die Alpen präsentieren sich in einem einmaligen Ausblick. Was folgt ist eine Eistour bei der die Flanke zum Gipfel gequert wird.

Der Sonnenaufgang lässt die Gletscher in einem unwirklichen Licht erscheinen und du fühlst dich in einer anderen Welt die schwer zu beschreiben ist. Die Beine bewegen sich von alleine und die Gedanken kreisen. Ab und zu kommt kurzzeitig der innere Schweinehund doch das ist eigentlich reine Kopfsache, denn körperlich bin ich topfit und gehe einfach weiter.

Im Gebiet des „Petits Roches Rouges“ halte ich den Windmesser hoch. Erst habe ich ein gutes Gefühl, es sind zwar Linsenwolken am Himmel doch der Wind scheint günstig. Doch dann pfeift ein 45er Wind an mir vorbei, kleinere Böen und dann wieder ein Kracher von 60 Kmh. „Scheiße“ denke ich und wir diskutieren wie es weiter gehen soll.

Von oben kommt eine Seilschaft, dick eingepackt und berichtet von heftigem Wind am Gipfel. Entschließen uns weiter zu gehen, notfalls den selben Weg zurück zu gehen, denn von der Gouter Route kommen etliche Seilschaften und es wird sich auf der Rücktour bestimmt stauen.

Der Weg fängt an sich wie Gummi zu ziehen, doch ich funktioniere wie eine Maschine, bin verärgert über den Wind doch auch das gibt Energie und Kraft, will es jetzt wissen.

Es zählt mal wieder jeder Schritt und ich erinnere mich noch an den Kili, das selbe Gefühl ein neuer Berg. Langsam nähern wir uns dem Gipfel, nur ein Punkt auf dem Weg, nicht mehr und nicht weniger.

Auf dem Gipfelgrad knallt uns ein heftiger Wind um die Ohren, ich halte den Windmesser noch ein paar mal hoch aber chancenlos, auch auf der anderen Seite keine Chance also Gipfelfotos und die wage Hoffnung das vielleicht weiter unten was geht.

Dirk nimmt mich an die Seite und erzählt von Schwierigkeiten, es geht Ihm nicht gut. Wir müssen weiter runter und beginnen sofort mit dem Abstieg.

Dirk geht vor, habe Ihn so besser im Blick und kann reagieren falls etwas passiert. Weiter unten geht es Ihm schnell besser, er hustet noch aber die Reaktionen werden koordinierter.

Auch hier hat sich ein heftiger Wind durchgesetzt und wir gehen die Flanke Richtung Mont-Maudit. Wir seilen uns ab, ich zuerst, Dirk sichert, ist wieder voll da denn das ist sein Element.

Unten eine kurze Pause und wir beschließen es ruhig angehen zu lassen, jedoch ohne große weitere Pausen die uns nur aus dem Rhythmus bringen. Wieder am Tacul merkt man den Kraftverschleiß, die Rucksäcke werden schwer und die Konzentration lässt nach. Doch es geht weiter Schritt für Schritt und irgendwann haben wir es über die Gletscherspalten und Schneefelder bis nach unten geschafft.

Eine kurze Pause und der letzte Anstieg zur Hütte, die Beine fangen an weh zu tun und die Hütte wirkt schon wie ein zu Hause. Angekommen merken wir wie müde wir wirklich sind und in Blick auf die Uhr zeigt das wir etliche Stunden unterwegs waren. Doch wir hatten eine gute Zeit wenn man das Gepäck berücksichtigt. Wir waren früh genug zurück, denn der Berg verschwindet schnell in dichtem Nebel und wir sind froh kontinuierlich gegangen zu sein, nicht wie andere Gruppen durch diese kalte Suppe zu müssen.

Der weitere Abend vergeht wie im Flug und wir schlafen tief und fest, nichts kann uns stören.

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